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GEB-Kita e.V. Nürnberg
Verein zur Unterstützung der Elternarbeit in den Kindertagesstätten in Nürnberg e.V.


Stellungnahme

des Gesamtelternbeirat Kindertagesstätten Nürnberg e.V.

Augen auf! Die Kinder! Jetzt! - Familien brauchen Perspektiven


Seit dem 16. März sind Kitas, Schulen, Spielplätze und andere Räume für Kinder in Bayern geschlossen bzw. von einem Betretungsverbot betroffen. Gleichzeitig gilt seitdem ein weitgehendes Kontaktverbot zwischen Personen, die nicht zum selben Hausstand gehören. Seit fast 6 Wochen sind die meisten Kinder, häufig ohne Geschwisterkinder, mit ihren Familien isoliert, soweit sie nicht eine Notbetreuung in Anspruch nehmen dürfen.

Wir als Gesamtelternbeirat Kindertagesstätten Nürnberg e. V. wollen mit dieser Stellungnahme auf die Problematik dieses Zustandes aufmerksam machen und die Bedürfnisse von Kindern als wichtiges Kriterium in die weiteren Überlegungen und Entscheidungsprozesse einbringen.

“Für die Gesundheit!” ist das, was wir in den letzten Wochen immer wieder von der Politik und auch der Wissenschaft hören. All die Maßnahmen, die uns seit fast 6 Wochen beschäftigen, dienen der Gesundheit. Und das auch erfolgreich. So erfolgreich, dass Politik und Wissenschaft anfangen, erste Lockerungen der Maßnahmen zu beschließen. Für die Gesundheit? Nein – für Wirtschaftskreisläufe und Lieferketten. Ein Wirtschaftskreislauf kann nur funktionieren, wenn Eltern als elementare Kraft ihren Teil dazu beitragen können.

Für alle? Nein, vor allem für die, die eine laute Lobby haben. Wer fällt hinten runter? Vor allem die Kinder und deren Gesundheit! Wir, der Gesamtelternbeirat Kindertagesstätten Nürnberg e. V. geben unseren Kindern die Lobby, die sie benötigen!

Nachdem sich die Politik nun – auch auf Anraten der Wissenschaft – dazu entschieden hat, Kindertagesstätten und Grundschulen jenseits der jeweiligen Abschlussklassen bis mindestens zum Sommer nicht zu öffnen, rückt dieses wichtige Thema nun endlich mehr in den Fokus der Berichterstattungen. Zahlreiche Zeitungen und Magazine berichten darüber und beschäftigen sich aus verschiedenen Perspektiven mit dieser Entscheidung.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey plant eine Arbeitsgruppe. Das ist gut so! Und doch wird immer klarer, dass es bisher kaum um die Gesundheit der Kinder ging, um ihre psychologische Situation, um ihre sozial - emotionale Entwicklung und um ihre – für die späteren vergleichbaren Abschlüsse so wichtige – elementare Bildung.

Das muss aufhören. Die Politik muss endlich auch auf die Kleinsten achten. Ihnen und ihren Familien eine Perspektive geben und die vielen Einschränkungen, die sie betreffen, ebenso flexibel und mit Augenmaß lockern.

Die Kinder und ihre Familien, die die Einschränkungen besonders hart treffen, müssen endlich gehört werden. Sie und ihre Eltern müssen in die Gespräche und Überlegungen zum weiteren Umgang mit Kindertagesbetreuung, Schule, Sport und Freizeit mit einbezogen werden. Jetzt!

Der Gesamtelternbeirat Kindertagesstätten Nürnberg e.V. fordert Politik und Verwaltung in Stadt und Land auf, sich umgehend zu den folgenden wichtigen Themen konkret zu positionieren, um gemeinsam mit Eltern und pädagogischen Fachkräften, Strategien für die Rückkehr unserer Kinder zu entwickeln. 

1. Familien brauchen eine Perspektive

Derzeit heißt es, Kindertagesstätten bleiben bis auf Weiteres geschlossen, für die Grundschüler jenseits der Übergangsjahrgänge gibt es keine klare Position.

Kinder und Familien, aber auch Kommunen und Träger von Kindertagesstätten, benötigen ehrliche und verlässliche Aussagen sowie einen klaren Zeitplan, der sich am aktuellen Kenntnisstand der Wissenschaft orientiert.

Die Bundesregierung spricht von einem Regelbetrieb frühestens ab dem 1. August 2020. Ist das auch für Bayern realistisch? Und wenn ja, was genau ist am 1. August 2020 anders als am 1. Juli 2020 oder am 1. Juni 2020? Einen Impfstoff wird es bis dahin genauso wenig geben wie massentaugliche Medikamente.

Ein “Wir warten noch zwei Wochen” und “Wir warten noch drei Wochen” darf und kann es auf Grund der gravierenden Einschränkungen gerade für Familien nicht geben. 

Denkbar ist auch eine Orientierung an anderen Ländern Europas, die bei der Rückkehr in die “Normalität” einen anderen Weg gehen und vor allem Kitas und Grundschulen wieder geöffnet haben. Sollten die Fallzahlen dort im familiennahen Umfeld in den nächsten zwei Wochen nicht erheblich steigen, sollte auch in Deutschland über zeitnahe Öffnungen gesprochen werden.

2. Die Bedeutung von Gleichaltrigen für Kinder

Kinder brauchen Kinder – Ein elementarer Bestandteil ihrer Entwicklung! Sie sind gerne mit anderen Kindern zusammen, sie wollen dazugehören und von anderen Kindern lernen. Das Recht auf Förderung, das neben kognitiven Aspekten auch soziale und emotionale Aspekte umfasst, schließt zwingend den Kontakt von Kindern untereinander ein.

Obwohl für die meisten Kinder eine starke Bindung an ihre Eltern wichtig bleibt, rücken mit zunehmendem Alter die Gleichaltrigen mehr und mehr in den Mittelpunkt ihrer Lebensgestaltung. Bedeutsam werden deshalb vor allem die Beziehungen der Kinder untereinander. 

Was Kinder miteinander machen, kann auch nur innerhalb der Kindergemeinschaft geschehen. Kinder untereinander sind laufend mit Aushandlungsprozessen beschäftigt, in denen es um Fairness, einleuchtende Argumente und die Regulation von Beziehungen geht – also um moralische, kommunikative, kognitive und emotionale Entwicklungen. Nicht zufällig werden um das Einschulungsalter herum oft erstmals bedeutsame und langanhaltende Freundschaften geschlossen.

Diese Entwicklungsprozesse verlaufen oft nicht spannungsfrei. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder in Kitas und Schulen neben Ihren Eltern auf weitere Erwachsene treffen, die ihnen auch in kritischen Verläufen individuell wie gemeinschaftsbezogen zur Seite stehen. Genau diese Bedürfnisse müssen Eltern aktuell allein abdecken. Diese Situation ist so nicht länger tragbar.

3. Bedürfnisse von Kindern berücksichtigen

In der Empfehlung des Leopoldina - Gremiums vom 14. April 2020 heißt es, dass "… die Kitas für die jüngeren Jahrgänge bis zu den Sommerferien weiterhin im Notbetrieb bleiben …" sollen. Wir vermissen eine Reflexion der aktuellen Lebenssituation und der Lebensbedürfnisse von Kindern und Familien. Eine umfassende Isolation sowie der monatelange Entzug von Bildung, Bewegung und
Betreuung stellen einen massiven Eingriff in die Bedürfnisse unserer Kinder dar.

Die Stellungnahme des Leopoldina Gremiums lässt die benannten Bedürfnisse von Kindern völlig außer Acht und verfehlt dabei die selbst formulierte Forderung, „Zielkonflikte zu identifizieren und bei der Entscheidungsfindung abzuwägen“. 

4. Vorschulkinder brauchen einen geregelten Übergang

Für die vielen tausend Vorschulkinder, die im Sommer in die Schule kommen sollen, fällt aktuell die wichtigste Phase der Vorbereitung auf den nächsten Lebensabschnitt weg. Wir halten es für außerordentlich wichtig, dass diese Kinder noch vor dem Sommer eine adäquaten Abschlussphase der Kita-Zeit in ihren Gruppen und mit ihren Erzieher*innen erleben können. Hierfür sollten bauliche und personelle Voraussetzungen geprüft und festgelegt und ein realistischer Zeitplan entwickelt werden.

Im Zuge der Wiedereröffnung der Schulen für Abschlussklassen und Übergangsklassen müssen genauso die Vorschulkinder im Kindergarten einen geregelten Tagesablauf und Vorschulförderung erfahren, um einen leichten Übergang in die Grundschule zu ermöglichen. Die Notwendigkeit von Integration und Spracherwerb gerade für Vorschulkinder mit Migrationshintergrund muss stärker in den Fokus gerückt werden. Sie sprechen nun über Monate nur noch in ihrer Muttersprache und haben Deutsch so gut wie vergessen, wenn sie dann eingeschult werden. 

5. Kreative Lösungen für Krippen- und Kitakinder

Statt die Kindertageseinrichtungen per se nicht betreten zu dürfen, müssen dringend Lösungen gesucht werden, die dem Kindeswohl dienen und Familien entlasten. Neue und bereits benannte Ideen wie eine wechselnde Vor- und Nachmittagsbetreuung in Kleingruppen oder wechselnde Kurzwochen von Montag bis Mittwoch bzw. Donnerstag bis Freitag sollten mit Träger- und Elternvertreter*innen besprochen, geprüft und zeitnah umgesetzt werden.

6. Kindertagespflege sofort wieder öffnen

Die Gruppengröße der Kindertagespflege entspricht in den meisten Fällen der, die für die Gruppen der Notbetreuung festgelegt wurde. Hier betreut immer die gleiche Tagespflegeperson immer die gleichen max. 5 Kinder in den gleichen Räumen. Bei Großtagespflegestellen sollte die Entscheidung abhängig von den Möglichkeiten der Räumlichkeiten getroffen werden. Tagespflegepersonen, die zur Risikogruppe gehören, sollten ihre Einrichtungen ohne finanzielle Einschränkungen geschlossen halten dürfen.

7. Schließzeiten flexibel gestalten

Nachdem viele Eltern, unter ihnen auch Erzieher*innen mit Kindern, ihre Urlaubstage für das aktuelle Jahr nahezu aufgebraucht haben, sollten für die meist in den Sommerferien liegenden Schließzeiten flexible Lösungen gefunden werden. Erste Träger haben bereits angedeutet, dass sie auch während der ursprünglich geplanten Sommerschließzeit eine Betreuung sicherstellen oder individuelle Lösungen mit betroffenen Eltern suchen wollen. Ein solches Bekenntnis wünschen wir uns landesweit von den Trägern der Kindertageseinrichtungen.

8. Bewegung - Kleine Spiel- und Sportplätze wieder öffnen

Neben Bildung ist Bewegung ein essenzieller Bestandteil, der in der KiTa gefördert wird. Viele Kinder sind nur zuhause, oft vielleicht in kleinen Wohnungen ohne Garten. Gerade Eltern die nebenher Homeoffice machen können unter Umständen gar nicht anders, als ihre Kinder stundenlang vor den Fernseher oder das Tablet zu setzen.

In die Überlegung sollten Angebote des Vereinssports, unter den oben genannten Kriterien einbezogen werden. So kann der Bewegung plus der sozialen Komponenten Rechnung getragen werden. Neben den großen Spiel- und Sportflächen in den Städten sind vielfach auch kleine Plätze – vor allem in Wohngebieten und in der Verwaltung von Vermietern – geschlossen. Auf diesen Anlagen haben schon vor der Corona-Krise selten mehr als zwei, drei Kinder gleichzeitig gespielt. Die Ansteckungsgefahr ist hier nicht größer als in Straßenbahnen oder im Supermarkt. Und sowohl Eltern als auch Kinder sollten inzwischen so sensibilisiert sein, dass ihnen hier durchaus eine sachliche Entscheidung zugetraut werden kann.

Gemeinsam für unsere Kinder!

Gesamtelternbeirat Kindertagesstätten Nürnberg e.V.
Nürnberg, 22.04.2020


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